Die Kapelle zu Voissel

 

Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte.

 

Qellennachweis:  Nordrhein-Westfälisches Hauptstatsarchiv (Aktenbestand Bleibuir Akten Nr.2 und

                                  Nr. 3). Veröffentlichung im Bürgerbrief der Stadt-Mechernich Anno 1989 Redaktion und

                                      Bearbeitung: Norbert Leduc.

                                      Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden, Anno 1932, Dr. Ernst Wackenrode

                                      Denkmalpflege Bonn.

                            Chronik der Pfarre Bleibuir bis 1885, von Pfarrer Jakob Gustav Compes.

                                      Glocken im Dekanat Mechernich, Bürgerbrief der Stadt-Mechernich Anno 2004

                                      von Hans Peter Schiffer.

                                      Kirchen und Kapellen im Dekanat Mechernich, Anno 2003 von Hans Peter

                                      Schiffer.

Bearbeitet, von Ewald Zart Mech.-Voissel, den 14. 11. 2005

 

" Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden", bearbeitet von Ernst Wackenroder ( Düsseldorf 1932), berichten auf Seite 231 dies über die Kapelle in Voissel:

"In der i. J. 1855 an Stelle eines älteren Baues v. J. 1769 (Mitteilung Günther) erbauten Katholischen Kapelle (s.t. s. Antonii a Padua) zu Voißel ein Holzaltar (vom Anfang des 17. Jh. (1610). Die rechteckige Mittelnische von korinthischen Pilastern begleitet, die Bekrönung mit Rollwerkzierat. Die seitlich gestellten Figuren der hl. Maternus und Donatus in sehr bewegter Haltung, unter den Figuren anbetende Engel. Holzfiguren der hl. Barbara und Franziskus aus der gleichen Zeit auf Wandkonsolen daneben.

Holzfigur der Mutter Gottes, 68cm hoch, weiß gestrichen, 18. Jh.

Ein Drehtabernakel aus einem Altar des 18. Jh. wird in der Mensa hinter dem Hauptaltar aufbewahrt."

Auf den beiden Nebenaltären stehen Figuren der Muttergottes und des hl. Herzens Jesu.

Der Beichtstuhl stammt aus der Pfarrkirche zu Gemünd.

 

Maternus, erster geschichtlich bezeugter Bischof von Köln; die Gebeine des hl. Donatus,(Katakombenheiliger) Bischof von Arezzo, wurden 1652 nach Münstereifel überführt. Vielleicht wurden die beiden Heiligen zu Kapellen-Patronen deshalb erwählt, weil sie in Beziehung zum umgebenden Raum standen. Der hl. Antonius wurde in Voißel bereits besonders verehrt, bevor er (1873) zum Kapellen-Patron, anstelle der erstgenannten beiden Heiligen, erwählt wurde. Die hl. Barbara stand als Patronin der Bergleute in hohem Ansehen. In den genannten Aktenbeständen ist nämlich gesagt, nur wenige Einwohner in Voißel hätten sich ausschließlich von ackerbaulicher Tätigkeit ernährt; die meisten seien am Bleiberg tätig gewesen.

 

Die Buchstaben J H S . Sind eine Abkürzung entweder für die drei ersten Buchstaben des griechischen Namens Jesus oder für die lateinische Schreibung des Namens, wie sie im Mittelalter üblich war: Jhesus. J H S deutet man auch als Jesus Hominum Salvator, Jesus Erlöser der Menschen, Volkstümlich Jesus Heiland Seligmacher.

Der Hauptaltar stammt also aus der Alten Kapelle von 1769.

 

Zum Bauwerk selbst lieferte Wackenroder nur zwei Daten; einen kunsthistorischen Wert maß er dem Bauwerk, dem er kein Wort widmete, nicht zu. Einen solchen konnte es auch wohl kaum erlangen, wenn zu erfahren ist, wie es entstand.

Dennoch ist die Kapelle zu Voißel ein Denkmal besonderer Art!

Sie ist ein Zeugnis für ein auf religiöse Überzeugung gegründetes, mit kaum überbietbarer Zähigkeit und Ausdauer verfolgtes, gegen den Willen der Obrigkeit und viele Widerstände durchgesetztes Unternehmen, das eine kleine lokale Gemeinschaft unter großer Mühe zu einem guten Ende zu führen vermochte.

Mehr als fünfundzwanzig Jahre einte sie das unbeirrbar verfolgte Ziel.

Ein im Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv aufgefundener Aktenbestand (Bleibuir, Akten Nr. 2 und Nr. 3) erlaubt es, das Bemühen der Einwohner von Voißel, die zwischen 1845 und 1870 die Dorfgemeinschaft bildeten, in den wesentlichen Schritten nachzuzeichnen.

Die im Zusammenhang mit dem Neubau der Kapelle entstandenen Akten sind nicht vollständig überliefert.

Der Bearbeiter entschloß sich, einer größeren Authentizität (die Echtheit einer Schrift oder Urkunde) wegen, die originalen Texte selbst in ihrer chronologischen (Zeitlichen) Folge reden zu lassen und nur in Anmerkungen erläuternde und erklärende Hinweise zu liefern.

 

Das Unternehmen "Neubau der Kapelle in Voißel" nahm seinen "offiziellen" Beginn am 5. Januar 1846. In den Köpfen der Einwohner hatte es jedoch schon früher seinen Anfang genommen.

 

5.1.1846

"Den unter dem Vorsitz des Bürgermeisters (P. Fabricius)

Versammelten Schöffen und Notabeln der Gemeinde Voißel

1)  Peter Reinartz, Schöffe

2)  Joh. Wilh. Metternich,

3)  Hubert Breuer,                         

4)  Paul Jos. Greuel,

5)  Hubert Reinartz, Notabele               

6)  Christian Reinartz,

7)  Nicolaus Schmitz,

8)  Nicolaus Mauel,

9)  Heinrich Schmitz,

wurde von dem durch den Werkmeister Heiliger am 14. November vorigen Jahres über die Wiederaufbauung der baulosen Kapelle zu Voißel aufgenommenen Kostenanschlag Kenntnis gegeben und selbige zu Vorschlägen veranlaßt, wie die Kosten ad 559 (Reichsthaler), 21 (Silbergroschen), 2 (Pfennige) aufzubringen wären.

Die Person des "Werkmeisters Heiliger" konnte nicht identifiziert werden.

(Fabricius war Bürgermeister der Bürgermeisterei Wallenthal, die Verwaltung der Bürgermeisterei Bleibuir nahm er in Personalunion wahr.

Während der Zeit des Kapellenbaues von 1846 bis 1873 amtierten insgesamt 8 Personen als Bürgermeister der Bürgermeisterei Bleibuir, nämlich neben Fabricius Fasbender und Herhahn mit Dienstsitz in Heimbach (letzterer zugleich zeitweise als Bürgermeister von Eicks) Macco, zur Hosen, Kremer, Vogt und Baumann mit Dienstsitz in Gemünd.

(Notabeln, zuweilen verwendete Bezeichnung für die "Meistbeerbten", die Höchstbesteuerten, eines Ortes, einer Gemeinde. In gewerbelosen Orten und Gemeinden waren es die Inhaber des Umfangreichsten Grundbesitzes. Der Status des "Meistbeerbten"

Schöffe war die nach 1846 noch länger übliche Bezeichnung für das einzelne Mitglied des Gemeinderathes. Peter Reinartz war 1846 der "Meißtbeerbte" in Voißel.

Die Versammelten erklärten einstimmig, daß sie bereit seien, durch die Gemeinde-Einsaßen von Voißel sämtliche zu diesem Kapellenbau erforderlichen Hand- und Spanndienste sowie die Beköstigung der Handwerker bei Ausführung dieses Baues zu Besorgen.

In der Hoffnung, daß es auch später, wie bisher, von geistlicher Oberbehörde gestattet werde, außer den gewöhnlichen Gebeten, an gewissen Tagen, nämlich dem Maternus-, Donatus-, Antonius- und Barbara- Tage, sowie in Fällen besonderen Verlangens Messe lesen zu laßen, beantragen die Versammelten hiermit, daß schon im laufenden Jahre auf jedes Haus in Voißel von der bedeutenden Gemeindeheide ein viertel Morgen großes Schiffellos zur zweijährigen Fruchtgewinnung gegen eine Abgabe von zwei Thaler an die Gemeindekasse ausgetheilt und jeder angehalten werde auch im Falle der Nichtbenutzung seines Looses, diese Abgabe zu erlegen. Mit dieser Austheilung soll mehrere Jahre hintereinander fortgefahren werden, bis der Fonds zum Kapellenbau angesammelt sein wird.

Nach einigen Jahren kann mit dem Kapellenbau begonnen und dessen Ausführung unter Leitung eines Bau-Comitees im Wege der Oeconomie (Wirtschaftlichkeit) bewirkt werden.

 

Die sogenannte "Gemeindeheide" umfaßte ein Areal von mehr als 500 Morgen. Mit den ackerbautechnischen Mitteln und Möglichkeiten in der Mitte des 19. Jahrhunderts war sie als "Grenzertragsboden" Ödland.

 

Schiffeln hieß die Nutzung des Bodens, die sich in dieser Weise vollzog.

Der Aufwuchs auf einer bestimmten Fläche (Los) wurde mit der Flachhacke abgeschält, die sodenn in Haufen getrocknet und nach dem Trocknen verbrannt. Asche und Erde wurden auf die gepflügte abgeschälte Fläche gestreut und diese besät. Auf dieser Fläche war eine zwei- bis dreimalige Ernte mit geringem und abnehmendem Ertrag möglich.

 

6.12.1846

Bürgermeister Fabricius an Landrat Beißel:

"...beehre ich mich, Euer Hochgeboren gehorsamst zu berichten, wie die gegenwärtige Kapelle zu Voißel seit Menschengedenken immer zur Verrichtung des Rosenkranz-Abendgebetes durch die Einwohner zu gewissen Jahreszeiten, zur Abhaltung heil. Messen an mehreren festlichen Tagen und zur Anzeige der Tageszeiten durch die Glocke gedient hat.

Diesen Gebrauch wünschen die Einwohner von Voißel beibehalten zu können, weshalb sie auf den Plan zur Erneuerung der jetzigen baulosen Kapelle gekommen sind.

Der Ort Voißel liegt eine halbe Stunde vom Pfarrdorfe Bleibuir entfernt, woher es denn auch in mancher Beziehung wünschenswerth erscheint, daß der Vorsatz des Ortes in der kundgegebenen Weise durchgeführt würde.

Die Kapelle zu Voißel ist jedoch gesetzlich nicht anerkannt, wahrscheinlich weil es ihr an allen Revenuen (Einkommen) fehlt. Nach dem beiliegenden Benachrichtigungsschreiben des Erzbischöflichen General- Vikariats wird aber die Licenz zur Haltung des bisher üblichen Gottesdienstes in der neu zu erbauenden Kapelle nicht versagt werden. "

Infolge der im Jahre 1804 aufgrund französischer Gesetze vorgenommenen Pfarr-Reorganisation galt die Kapelle in Voißel nicht als ein dem allgemeinen Gottesdienst gewidmetes Kirchengebäude, für das der Staat Unterhaltspflichten der "zivilen" Gemeinde anerkannte.

 

6.5.1847

"Der Gemeiderath der "Spezialgemeinde" Bleibuir, nach Einsicht der Verhandlungen über die Wiederherstellung des Kapellenbaues zu Voißel und Bewilligung eines eigenen Gotteshauses in derselben; in Betracht, daß die Kapelle bisher vier Stiftungskapitalien von je zwanzig Reichsthaler zu Abhaltung von vier jährlichen heiligen Messen in der selben besessen, wovon drei in das Vermögen der Kirche (zu Bleibuir) verschmolzen worden, das vierte aber noch bei der Kapelle reserviert ist, das es billig und recht sei, die drei Stiftungskapitalien von der Kirchenfabrik für gedachte Zwecke zu revindieren; (revindieren= zurückerstatten, zurückgewähren) daß der Zweck der Kapelle hauptsächlich die Abhaltung des täglichen Gebetes und heiliger Messen in Fällen besonderen Verlangens sein soll; ferner, daß die Ortschaft Voißel zu unbedeutend und unbemittelt ist, um die Kosten eines ständigen Gottesdienstes und Unterhaltung eines Geistlichen zu bestreiten; daß die Lage der gedachten Ortschaft aber von dem Pfarrdorfe eine halbe Stunde entfernt, daher der Kirchenbesuch zu Winterszeit sehr erschwert ist,

beschließt: daß der Gemeinde Voißel für ihre Kapelle die Rechte der Ausübung eines eigenen Gottesdienstes nachzusuchen seien, ohne die gedachte Kapelle als selbständig oder Annexe zu erklären."

Die "vier jährlichen Messen", für die ein Kapital von 80 Reichsthalern gestiftet war wurden an den Festtagen der vier genannten Heiligen Maternus, Donatus, Antonius und Barbara in der Kapelle in Voißel gehalten.

 

Ein Kirchengebäude konnte zur "Annexe", zum unselbständigen "Anhängsel", zur Filialkirche, unter bestimmten Voraussetzungen anerkannt werden. Das aber lehnten die Voißeler, wie auch der Gemeinderat der "Spezial-Gemeinde" Bleibuir deshalb ab, um den bisherigen Status, auch im Hinblick auf die Ödländereien, nicht zu verändern.

 

16.5.1847

Aus dem Protokoll über die Sitzung des Kirchenvorstandes in Bleibuir:

"....daß (die Gemeinde Voißel) zwar eine halbe Stunde vom Pfarrorte entfernt, auch der Weg zwischen Voißel und Bleibuir sehr beschwerlich sei, doch bisher die Gemeinde Voißel sich ohne besondere Beschwerde an hiesige Pfarre gehalten; daß die seitherige Kapelle in Voißel seit dem Jahre 1769 bestanden und außer den ....(vier) Stiftungskapitälchen... das ganze Stiftungsvermögen in 80 Reichsthalern cölnisch bestehe, wovon aber bei den drei letzgedachten Stiftungen das Lesen der hl. Messe in der Pfarrkirche freigestellt sei, weshalb die Kapitälchen auch mit dem Stiftungsvermögen der letzteren verschmolzen worden; daß außerdem die Kapelle eine Wiese besitze, die für 5 Reichsthaler jährlich verpachtet sei, welche angeblich ohne besondere Bedingung in früheren Jahren geschenkt worden, daß die vier gestifteten Messen auch bisher in der Kapelle gehalten worden und die gewöhnlich täglichen Gebete fortwährend in derselben stattfinden.

Es hat den Anschein, als sei die Kapelle trotz ihres "baulosen" Zustandes 1847 noch benutzt worden.

Baulos oft verwendet für "Baufällig."

Nach allem diesen hat der Kirchenvorstand nichts dagegen, daß nach der von der Gemeinde Voißel beabsichtigten Wiederaufbauung der durch Alter baulos gewordenen Kapelle der Gottesdienst in derselben in bisheriger Weise gehalten werde....."

Der Kirchenvorstand legte Wert auf die Zugehörigkeit Voißels zur Pfarre Bleibuir; er machte dies auf diese Weise deutlich.

1769 als Baujahr der "baulosen" Kapelle wird neben Wackenroder auch von Pfarrer Compes in dessen Chronik genannt.

Die Kapelle von 1769 war angeblich so klein, daß nur der Pastor, der Küster und ein Meßdiener hineingingen. Dieser habe so lange Beine gehabt, daß er damit auf die Straße geriet. Ein vorüberfahrendes Fuhrwerk habe ihm die Beine abgefahren.

Wenn wie nachfolgend berichtet, aus der alten Kapelle noch acht Bänke zur Verfügung standen, frage ich mich, ob die alte Kapelle von 1769 denn wirklich so klein war.

 

29.5.1849

Zur Zahlung von je 2 Reichsthalern in den Kapellenbaufonds waren die folgenden Einwohner in Voißel verpflichtet:

1.) Huppertz Michael                      17.) Linden Joseph Wwe.,

2.) Hambach Werner,                     18.) Meyer Hilger,

3.) Metternich Anton,                      19.) Mauel Nicolaus,

4.) Reinartz Christian                       20.) Breuer Hubert,

5.) Baum Martin,                             21.) Greuel Paul Joseph,

6.) Schmitz Heinrich,                       22.) Reinartz Hubert,

7.) Claus Hubert,                            23.) Claus Heinrich,

8.) Mauel Andreas,                         24.) Schmitz Nicolaus Wwe.,

9.) Metz Peter Joseph,                    25.) Milz Joseph,

10.) Leperz Wilhelm,                         26.) Metternich Johann Wilh.,

11.) Schumacher Johann,                   27.) Reinartz Joseph,

12.) Claus Joseph,                             28.) Greßenich Anton,

13.) Virnich Franz Erben,                  29.) Greßenich Wilhelm,

14.) Schmitz Nicolaus,                       30.) Heinen Johann,

15.) Heistert Heinrich,                       31.) Heistert Wilhelm Wwe.,

16.) Hoß Nicolaus,                            32.) Lambertz Johann.

Die Liste verzeichnet alle Haushaltsvorstände in Voißel am 29.5.1849.

 

4.8.1852

"Heute den vierten August 1852 wurde durch den unterzeichneten Bürgermeister von Bleibuir zum öffentlichen Verkaufe von siebenzehn Loosen Roggen mit dem Stroh nahe bei dem Dorfe Voißel stehend und derselben Gemeinde zugehörend, deßen Erlös zum Bau der dortigen Kapelle verwandt werden soll, nach gehörig vorhergegangener Bekanntmachung..... geschritten".

(Die 17 Lose erbrachten einen Verkaufserlös von 63 Thalern. Ankäufer waren Einwohner aus Voißel, Wielspütz und Scheven.)

Gegenüber dem von Einwohnern von Voißel am 5.1.1846 gefaßten Beschluß war eine Änderung in der Art der Aufbringung der Kostenanteile für den Kapellenbau von den Einwohnern vereinbart worden. Die Einzelheiten ergeben sich aus dem Bericht vom 18.5.1854.

 

4.8.1852

"Nachstehende Einwohner der Gemeinde Voißel, welche die ihnen im vorigen Jahre auf dem Gemeinde-Eigenthum überlassenen Schälloose nicht urbar hergestellt, haben im Verhältnis des heute stattgehabten Roggen- Verkaufs von siebenzehn Loosen und zufolge Vereinbarung unter den Gemeinde-Einsaßen von Voißel die unten verzeichneten Beiträge Ende December 1852 in die Gemeindekasse von Bleibuir einzuzahlen, welche zum Bau der Kapelle zu Voißel bestimmt sind."

Jeder der Nachgenannten wurde zu einem Betrag von 3 Th., 21 Sg., 2 Pfg. herangezogen. Es waren:

1.) Hilger Meyer,                               9.) Johann Bröllingen,

2.) Nicolaus Mauel,                        10.) Johann Lambertz,

3.) Hubert Martin Breuer,               11.) Joseph Huppertz,

4.) Paul Greuel,                               12.) Martin Baum,

5.) Anton Huppertz,                        13.) Hubert Klaus,

6.) Joseph Milz Wwe.,                    14.) Anton Mauel,

7.) Anton Greßenich,                      15.) Heinrich Heistert Erben

8.) Johann Heinen Wwe.,

 

9.7.1853

Es fand ein weiterer öffentlicher Roggenverkauf statt. Das Ergebnis ist unklar.

 

18.5.1854

Bericht des Bürgermeisters an den Landrat:

"........beehre ich mich über die Beschwerde des Joseph Huppertz aus Voißel & Genossen hinsichtlich der Beiträge zum Kapellenbau in Voißel folgendes gefl. zu berichten.

Im Jahre 1846 unterm 5. Januar beschlossen die Notabeln und Schöffen von Voißel und unterm 5. März der Gemeinderath von Bleibuir, daß zur Aufbringung der Kapellenbaukosten in Voißel von der bedeutenden Gemeindeheide auf jedes Haus von Voißel ein ¼ Morgen großes Schiffelloos zur zweijährigen Fruchtgewinnung gegen eine Abgabe von 2 Reichsthaler an die Gemeindecasse ausgestellt und jeder angehalten werde, auch im Falle der Nichtbenutzung des Looses, diese Abgabe zu erlegen. Diese Abgabe wurde auch, und zwar zuletzt im Jahre 1849 auf Grund anliegender von dem Königl. Landraths-Amte executorisch (vollstreckungsmäßig, Staatsgewaldlich) erklärter Nachweisung erhoben.

In dem Jahre 1850 blieb die Sache auf sich beruhen im Jahre 1850 wurde wahrscheinlich von den Einwohnern kein Beitrag zum Kapellenbau geleistet und.... vereinbarten sich die Einwohner von Voißel untereinander, daß jedem Haus ein Schälloos zur Urbarmachung und Bestellung mit Frucht überwiesen werden sollte. Die Frucht sollte seiner Zeit auf dem Halm verkauft werden und das Geld als Sammelfonds in die Gemeindecasse fließen.

Derjenige, welcher das ihm überwiesene Schälloos nicht urbar herstellte, sollte soviel bezahlen als auf seinem Stück hätte wachsen können, wenn er es urbar gemacht hätte, und sollte dieser Preis nach dem Erlöse nogucirt (ermittelt) werden, welcher sich bei dem öffentlichen Verkaufe der auf dem urbar gemachten Schälloosen gewonnenen Produkte als Mittelsatz ergäbe, normirt werden.

Ich füge die Verkaufsprotocolle zur geneigten Einsicht gehorsamst bei, wonach sich ergibt, daß während zwei Jahre vorstehend erwähntes Verfahren bereits stattgefunden hatte. Die Summe, welche diejenigen, welche ihre Schälloose nicht urbar gemacht haben zu entrichten auferlegt worden ist, beträgt nicht mehr als wenn die im Jahre 1849 zuletzt gehobenen 2 Reichsthaler jährlich für die Jahre 1850, 1851, 1852 und 1853, also für 4 Jahre, erhoben worden wären. Im Gegenteil ist denjenigen, welche ihre Loose urbar machen, Gelegenheit geboten, billiger abzukommen.

Man hat die letzte Verteilungsart ausdrücklich in Voißel gewünscht und gerade deshalb ist dieselbe eingeführt worden.

Das in Voißel wohnende Mitglied des Gemeinderathes Reinartz erklärt, daß er noch heute von sämtlichen Einwohnern (vielleicht mit alleiniger Ausnahme des Huppertz, welcher früher gar nicht in Voißel wohnte und seit einigen Jahren dort hingezogen ist) schriftlich bringen wolle, daß sie mit der Art und Weise, wie die Baukosten für die Capelle zu Voißel aufgebracht würden, nicht nur vollkommen einverstanden seien, sondern deren Beibehaltung für die Zukunft wünschen."

( Nach der Verfügung des Landrat vom 20.5.1854 wurden die "Beschwerdeführer mit ihrer Klage abgewiesen".

 

1854 Anfang Juni.

Grundsteinlegung zum Bau der jetzigen Kapelle.

 

5.8.1854

Die Versteigerung von 15 mit Roggen bestellten Schälloosen bringt einen Erlös von 48 Reichsthalern, 25 Silbergroschen.

 

5.5.1858

Verhandlung des Gemeinderates der Gemeinde Bleibuir:

"Der Vorsitzende (Bürgermeister Macco) legt dem Gemeinderath das Rescript (vorläufige Ersatzurkunde ?) des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz vom 1.April c. Nr. 2315, mitgetheilt durch Verfügung der Königlichen Regierung vom 24. April c. I Nr. 11603, die Oedländereien in Voißel betreffend vor und referiert der Ortsvorsteher folgender Maßen:

Bevor die Katasterdocumente eingeführt worden sind, benutzten die Einwohner von Voißel die im Banne dieses Ortes gelegenen Heide-Ländereien so, daß dem einen hier, dem anderen dort einige Morgen Heide zur Bewirtschaftung angewiesen waren. Der Boden hatte damals gar keinen Werth. Von den ärmeren Einwohnern wurden Stücke verkauft, weshalb Wohlhabenden ihr Besitzthum durch aneinander liegende Flächen bedeutend vergrößerten. Nicolaus Schmitz von Voißel brachte 161 Morgen an sich, welche den Gemeinde-Oedländereien einverleibt sind.

Nachdem nun die Kataster-Documente eingeführt worden sind, und die Umschreibung der Oeden sollte erfolgen, einigten sich die Einwohner dahin, daß alle Heideländer auf den Namen der Gemeinde Voißel im Kataster aufgeführt werden sollen.

Der Grund, weshalb dieses geschehen, liegt sehr nahe, indem bei der großen Veräußerungslust der Heideparzellen / man konnte damals für einige Groschen einen Morgen kaufen und Anton Schmitz zu Bescheid tauschte 4 Morgen gegen ein halb Pfund Tabak ein / bald Viehweide und Streuheide verschwunden sein würde, um also den ärmeren Einwohnern eine Viehweide zu bewahren und der ferneren Verschleuderung vorzubeugen, wurden wie gesagt, die Heideländereien auf den Namen der Gemeinde Voißel gebracht. Daß übrigens alle Einwohner von Voißel sich diesem Verfahren angeschlossen haben, kann nicht behauptet werden, denn mehrere Einwohner von Voißel haben bisheran noch einzelne Parzellen, die als Eigenthum der Gemeinde mitaufgeführt sind, für sich allein benutzt und bewirtschaftet.

Da nunmehr jetzt die Viehweide der Gemeinde doch entzogen werden soll, indem die Cultivirung der Heideländereien angeordnet und mit den Vorarbeiten bereits begonnen worden ist, so verlangen diejenigen Einwohner, welche sich damals für die Umschreibung ihres Eigenthums auf den Namen der Gemeinde Voißel  bereitfanden / hierzu gehört auch Nicolaus Schmitz  mit 160 Morgen / ihre Grundstücke zurück und legen die Einwohner Einspruch gegen die Cultivirung derjenigen Parzellen (ein), welche bisher nicht von der Gemeinde benutzt worden, den zu cultivirenden Oedländereien aber einverleibt worden sind.

Die Gemeinde Voißel wird also in unangenehme und verwickelte Prozesse gezogen, wenn die Cultivirung nicht eingestellt wird.

Hierzu kommt nun die schon mehrere male besprochene Einrede, daß der Ort Voißel gänzlich untergraben und die Einwohner alle verarmen werden, wenn die Viehweide verschwinden sollte.

Die ohnehin schon ärmeren Einwohner können kein Vieh mehr halten, weil das Futter für dasselbe nicht beschafft werden kann, und was bleibt ihnen übrig?

Die Unterstützung ihrer Mitmenschen in Anspruch zu nehmen, da ein anderer Erwerbszweig zur Beschaffung der Lebensbedürfnisse nicht zu finden ist!

Der Viehbestand in Voißel beträgt ca. 100 Stück Rindvieh. Darunter befinden sich 52 Kühe, 20 Ochsen und das übrige ist Jungvieh, sodann noch ca. 160 Stück Schafe.

Die Einwohner besitzen ca. 24 - 25 Morgen Wiesen, welche durchweg schlecht sind. Eine Verbesserung kann nicht erfolgen, Bewässerung nicht bewirkt werden kann. Der Heubetrag mag daher bei guten Jahren auf 1200 Pfund pro Morgen sich belaufen. Durchschnittlich ist zur Erhaltung eines Stückes Vieh - wenn es nicht zur Weide getrieben wird - 3000 Pfund Heu pro Jahr erforderlich. Hundert Stück Vieh sind vorhanden, also müßte der Ertrag der Wiesen sich auf 300.000 Pfund Heu belaufen, wenn das vorhandene Vieh bestehen bleiben soll.

Es fehlt nun noch das für die Schafe erforderliche Futter. Klee zu ziehen ist hier rein unmöglich, da der Boden sich hierzu wegen seiner Leichtigkeit, seiner sandigen und steinigen Art nicht eignet.

Der Ackerbau würde übrigens auch verlieren, denn es würde binnen kurzem an Dünger mangeln.

Ein fernerer Grund, der gegen die Cultivirung spricht, ist folgender:

Seit einigen Jahren haben die Einwohner von Voißel Oedländereien geschiffelt, was übrigens seit 1826  (siehe dazu: 29.3.1861) stets jährlich geschehen ist, und mit Korn oder Hafer bestellt.

 

"Gemeinde Voißel" steht hier und an zahlreichen anderen Stellen als deutlicher Beleg für eine früher abgegrenzte und selbständige Gemarkung. Die Wohnplätze Bescheid und Wielspütz bildeten keinen Teil dieser Gemarkung, wie es der Bearbeiter noch im Zusammenhang mit der Wiedergabe der Bevölkerungslisten vom 5.4.1801 vermutete. Die beiden Wohnplätze bildeten ebenfalls eine selbständige Gemarkung, die, wie Voißel, auch ein nur von ihren Bewohnern benutztes eigenes Weideareal besaß.

 

Nachdem die Frucht reif geworden, wird solche auf dem Halm verkauft und der Erlös zur Erbauung einer Kapelle im Orte verwendet.

Jeder Einwohner, arm oder reich, hat ein gleich großes Stück zu beackern und zu bestellen und geschieht solches in Anbetracht der guten Sache, wofür das eingehende Geld verwendet wird, mit großer Bereitwilligkeit und Einigkeit.

Der Bau der Kapelle ist soweit schon vollendet, das Thüren, Fenster und die innere Einrichtung noch zur gänzlichen Herstellung fehlen und sehen die Einwohner der Vollendung der Kapelle, der Schmuck des Ortes, mit frohen Hoffnungen in einigen Jahren entgegen. (Nach dem "Erläuterungsbericht" zum Kostenanschlag, den Kreisbaumeister Koschel dem Landrat am 6.1.1862 übersandte, war diese Feststellung ein wenig übertrieben)

Die Hoffnung aber, den Bau zu beendigen, wird durch die Cultivirung vereitelt werden, da die Gemeinde nur auf dem angefangenen Wege das Werk vollenden kann, weil andere Geldmittel nicht zu beschaffen sind.

In Anbetracht dieser ganz auf Wahrheit beruhenden Darstellung ist der Gemeinderath der Ansicht, diese Angelegenheit höheren Orts nochmals in Vorlage zu bringen und die Königliche Regierung zu bitten, von der nunmehr schon im Werk begriffenen Cultivirung hochgeneigtest abzustehen."

(Unter Cultivirung ist die Begründung eines Waldbestandes zu verstehen. Dies sollte auf einer Fläche von 300 Morgen im Areal der Voißeler "Gemeindeheide" geschehen. Hiergegen sträubten sich die Einwohner in Voißel und anderswo, allerdings öffentlich unerklärt, wegen einer daraus erwarteten Schwartzwildplage.

 

1826 war das Jahr eines großen Brandes in Voißel, wie sich aus dem Bericht des Bürgermeisters Kremer an den Landrat vom 29.3.1861 ergibt, von dem es bisher noch keine Nachrichten gab. Vielleicht veranlaßte die aus diesem Brand resultierende Not zur schiffelweisen Nutzung von Teilen der "Gemeindeheide".

 

4.10.1858

Aus einer Verfg. der Regierung Aachen an den Landrat in Schleiden:

".....Mit Voißel müssen die Verhandlungen fortgesetzt werden, indem von den dieser Ortschaft gehörigen umfangreichen Heide 300 Morgen zu Wald klassificirt sind und nicht anzunehmen ist, daß die Weide auf der ganzen Fläche für den dortigen Viehstand unumgänglich nothwendig ist.

Sofern die ......aufzustellenden Culturpläne von den darüber zu vernehmenden Gemeinderäthen beanstandet werden, bleibt die weitere Verfügung eventuellen Zwanges vorbehalten.

 

27.10.1858

Der aufgestellte "Forstcultur- und Verbeßerungsplan für die Oed- und Wildländereien der Gemeinde Voißel" sah für das "Wirtschaftsjahr 1859" die Aussaat von Kiefern und Lärchen auf einer Fläche von 16 Morgen vor.

 

6.11.1858

Der "Gemeinderath der Specialgemeinde Bleibuir" nahm unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers (Martin) Metternich zu der Verfügung vom 4.10.1858 Stellung. Der Gemeindevorsteher protokollierte u.a. das Folgende:

"Der Gemeinderath hält den Beschluß vom 5.5.1858 aufrecht."

"Wenn die Forstpflanzung in der Gemeinde Voißel beginnen sollte, würde das Dorf Voißel in Armut und Elend versetzt."

"Der Weidgang ist das, wovon sich die armen Leute allein ernähren."

"Der Gemeinderath hält sich verpflichtet, eine Königliche Hochlöbliche Regierung gehorsamst zu bitten, die Gemeinde Voißel von der projektirten Cultivirung freizusprechen."

 

21.12.1858

Der kommissarische Bürgermeister zur Hosen berichtet dem Landrat:

"......daß ich mich an Ort und Stelle überzeugte, daß die fraglichen Oedländereien, welche im Kataster auf den Namen der Gemeinde Voißel eingetragen sind, nur zum kleinsten Theil der Gemeinde gehören und größtentheils von Privaten benutzt werden, welche 7 bis 8 Morgen groß sind und dann anschließend von Privaten begrenzt und abgeschnitten werden.

Von einer Cultivirung kann einstweilen keine Rede seyn, da, abgesehen von dem Einspruch des Gemeinderaths, vorerst festgestellt werden muß, was der Gemeinde und was den Privaten zugehört."

Es begannen fortan umständliche Untersuchungen und Verhandlungen zur Klärung der Eigentumsverhältnisse an den Voißeler Oedländereien, die es verdienen, in einem anderen Zusammenhang dargestellt zu werden.

Die vorgesehene Ansaat von Kiefern- und Lärchenkulturen unterblieb im Hinblick auf die ungeklärten Eigentumsverhältnisse.

 

29.3.1861

Der erst seit kurzer Zeit amtierende Bürgermeister Kremer berichtet dem Landrat:

"......Der Hauptgrund der Abweisung (einer intensiveren Benutzung der Oedländereien) besteht darin, daß die Einwohner von Voißel das in Rede stehende Areal als ihr Privateigenthum betrachten und ein Besitzrecht der Gemeinde nicht anerkennen wollen. Dieselben haben jedoch keine Rechtstitel in den Händen, auf Grund deren sie sich als Eigenthümer legitimieren können und behaupten, die Theilung sei auf dem Privatwege erfolgt und die Theilzettel im Jahre 1826, wo das Dorf Voißel größtentheils abgebrannt sei, abhanden gekommen."

Über das Ausmaß des Brandes fanden sich bisher keine Angaben. Die Argumentation zeigt von der Bauernschläue der Einwohner von Voißel.

 

11.4.1861

Der Bürgermeister Kremer berichtet dem Landrat, daß er über den Kapellenbau in Voißel keine Rechnungen, sondern nur Vorschuß-Anweisungen in Händen habe.

"Um nun den Bau in der vorgeschriebenen Weise fortführen bzw. beendigen zu können, habe ich mich mit dem Kreisbaumeister Herrn Lüddemann in Verbindung gesetzt und den selben gebeten, mir eine geeignete qualifizierte Persönlichkeit, welche ich mit der Anfertigung des über die noch auszuführenden Arbeiten zu unternehmenden Kostenanschlages beauftragen kann, bezeichnen zu wollen. Sobald mir hierauf eine Nachricht zugegangen, werde ich schleunige Ausfertigung des Kostenanschlages veranlassen."

 

23.5.1861

Bürgermeister Kremer berichtet dem Landrat:

"....., daß ein Vorschriftsmäßiger Plan und Kosten-Anschlag über die Ausführung des Kapellenbaues zu Voißel sich hier nicht vorfindet und nach Angabe des Schöffen Schmitz, welcher mit der Zahlung der Kosten resp(ektive) (beziehungsweise) Rechnungsführung betraut worden, auch nicht vorhanden gewesen ist,...."

Möglicherweise war in Vergessenheit geraten, daß ein "Werkmeister Heiliger" 1845 einen Kostenanschlag für einen Kapellen-Neubau erstellte, der sich, betrachtet man die angegebene Kostensumme, auf einen Plan gründen mußte. Bürgermeister Kremer war zudem der siebte Bürgermeister, der sich mit dem Kapellenbau in Voißel beschäftigen mußte. Vielleicht aber gab es andere Gründe, Plan und Kostenanschlag nicht kennen und gesehen haben zu wollen.

 

10.8.1861

Kreisbaumeister Koschel berichtet dem Landrat:

".....daß die von dem Ortsvorsteher Schmitz in Voißel eingereichten Rechnungen nicht revidierbar (überprüfbar) sind, die Aufstellung einer Revisionsverhandlung (Überprüfung) ....aber schwerlich zu einem Resultat führen dürfte, weil keine Einheitspreise vor Beginn oder während der Arbeit festgestellt, auch Rechnungen bereits ausgezahlt und mehrere Aussteller mittlerweile gestorben sind.

Was die Aufstellung eines Kostenanschlages für die noch fehlenden Arbeiten betrifft, zu der die Aufnahme des zeitigen Standes des Baues ebenfalls nöthig sein würde, so habe ich einstweilen davon Abstand nehmen müssen, da mir der Ortsvorsteher Schmitz bei meiner Anwesenheit daselbst am 5. Ds. M. versicherte, daß schon seit längerer Zeit der Maurermeister Breidenbend, nach dessen Plan überhaupt gearbeitet worden sei, den betreffenden Kostenanschlag unter Händen habe und er im Begriffe stehe, denselben am 6.August in Mechernich abzuholen.

Im allgemeinen scheint mir die Angelegenheit verworren und mit Widersprüchen behaftet, sollte indeß auf die angegebene Weise Kostenanschlag bereits angefertigt sein, so wäre in dieser Beziehung mein Auftrag einstweilen erledigt."

Bei dem Maurermeister "Breidenbend" handelt es sich um jenen Mathias Breidenbend, der die Pläne für die Kirchen in Mechernich, Gemünd und Kommern anfertigte. Vielleicht schob man ihn vor, um nur keinen "Bauaufseher" aus der Nähe des Landrats ertragen zu müssen. Ob Breidenbend wirklich am Kapellenbau beteiligt war, steht, trotz eines im Verzeichnis der Ausgaben enthaltenen, auf ihn als Empfänger lautenden Betrages dahin.

 

4.10.1861

Bericht des Bürgermeisters Kremer an den Landrat:

".....sehr schwer hat es gehalten, von den mit der Beaufsichtigung des Baues und die Zahlung der Kosten betrauten Einsaßen die geforderten Quittungen einzuziehen...

Ich habe nun darüber ein besonderes Verzeichnis aufgestellt.

Die Verzeichnisse enthalten bereits Ausgaben für das Jahr 1854. Damit korrespondiert (Übereinstimmung) die Aufzeichnung in der Chronik des Pfarrer Compes, im Jahre 1854 sei der Grundstein zur neuen Kapelle gelegt worden. Im übrigen enthalten die Verzeichnisse Ausgaben bis zum 11.12.1860.

Was nun die Weiterführung des Baues anbetrifft, so muß ich vorab bemerken, daß der ....vorerwähnte Plan seitens des Maurermeisters Breidenbend bis jetzt noch nicht beigebracht worden ist und halte ich es, um die Sache nun rascher zu fördern, für zweckmäßig, über die noch auszuführenden Arbeiten durch Herrn Koschel Plan und Kostenanschlag fertigen zu lassen.

Nach den meinerseits angestellten Recherchen hat sich ergeben, daß der in Rechnung aufgeführte Plan des p. Breidenbend gar nicht angefertigt worden, wenigstens hat ein solcher zur Revision nie vorgelegen und ist auch dem Baukomitee nie zu Gesicht gekommen.

Es ist durchaus nothwendig, daß diese Bauangelegenheit den Voißelern aus der Hand genommen und auf vorschriftsmäßegem Wege durchgeführt wird.

Fast unglaublich sollte es erscheinen, und doch habe ich mich selbst davon überzeugt, daß die Kapelle jetzt als Scheune benutzt wird!!"

Anscheinend machten die Voißeler aus der Not eine Tugend. Was den Bürgermeister entrüstete, empfanden sie keineswegs als Sakrileg (Heiligtumsschändung) . Der Rohbau der Kapelle war ja noch kein benediziertes (gesegnetes) Bauwerk.

 

6.1.1862

Kreisbaumeister Koschel übersendet dem Landrat in Schleiden Plan und Kostenanschlag über die an der Kapelle in Voißel noch auszuführende Arbeiten.

Nach diesem Kostenanschlag erfordern die noch auszuführenden Arbeiten einen Betrag von 730 Reichsthalern.

Die ihm zugeleiteten Rechnungen über die ausgeführten Arbeiten, die Bürgermeister Kremer in seinem Bericht an den Landrat vom 4.10.1861 erwähnte, reicht er als nicht prüfbar zurück  

Dem Kostenanschlag ist folgender Erläuterungsbericht vorangestellt:

"Nachdem die Gemeinde Voißel in dem Jahre 1855 (Die Angabe bei Wackenroder ist danach höchst ungenau) den Bau einer Kapelle unternommen und das Mauerwerk, die Zimmer- und Dachdeckerarbeiten im laufe der Zeit im Wesendlichen zum Abschluß gebracht hatte, wurde dem Unterzeichneten, da weder Plan noch Kostenanschlag vorhanden war, der Auftrag solche über noch fehlende Arbeiten und Lieferungen aufzustellen, um sie beim Weiterbau zu Grunde zu legen.

Zum genaueren Verständnis mögen hier einige Erläuterungen folgen.

Die Maße des Gebäudes gehen aus Anliegender Zeichnung, soweit dieselben bei der weiteren Ausführung von Belang sein können, hervor. Da das Terrain hinter der Kapelle noch nicht acquirirt (hinzu erworben) werden konnte, wurde von dem Anbau einer Sakristei Abstand genommen, in der Hinterfront aber eine Thüröffnung von 6 (Fuß) Höhe gelassen. Durch die projektierte (geplante) Anlage einer Freitreppe vor derselben und einer Abschlußwand am Altar wird diesem Bedürfniß Rechnung getragen. Zur unterbringung von Glocken ruht auf 4 Säulen im Inneren der Kapelle ein Glockenthürmchen, und sind zwischen jenen starke Riegel zur Aufnahme von Balken, behufs Herstellung einer Orgelbühne gezapft. Die Arbeit ist in roher Weise ausgeführt und schien es daher zweckmäßig, wenn auch Voißel nicht über bedeutende Mittel verfügen kann, durch kleine Gesimskapitäle an den Pfeilern, Leistchen etc. der Anlage einen einigermaßen würdigen Charakter zu geben.

(Simse = vorspringende waagerechte Wandstreifen, Kapitäle = Tafeln)

Im Uebrigen ist jede kostbare Ausschmückung vermieden worden.(Hieraus ergibt sich, weshalb Wackenroder das Bauwerk selbst in den Kunstdenkmälern keines Wortes würdigte.

Durch Weglassung dieser Orgelbühne (eine Orgel wird wohl sobald nicht beschafft werden können) würde allerdings der Zutritt zu den Glocken erschwert, aber an Kosten bedeutend gespart werden.

Von den 2 vorhandenen Glocken ist eine gesprungen und unbrauchbar; im Anschlag ist daher einstweilen nur auf eine im Tit(el) "Insgemein" Rücksicht genommen worden und muß die Folge lehren, ob Mittel zum Umgießen der anderen vorhanden sein werden.

Aus der alten abgebrochenen Kapelle besitzt Voißel einen brauchbaren Altar und 8 reparaturfähige Kirchenbänke und sind daher nur fernere 6 neue im Anschlag aufgenommen."

Ob die neue Kapelle am Standort der 1769 errichteten erbaut wurde, ist insofern ungewiß, als sich in den Aufzeichnungen über die gemachten Aufwendungen für die neue Kapelle ein Posten von 49 Reichsthaler findet, bei dem es heißt, "die Bauplatz angekauft". Auf dem Ausschnitt der Trachot-Karte 1807/1808 ist an der Stelle wo die Heutige Kapelle steht kein Grundriß eines Gebäudes eingetragen. Es liegt also die Vermutung nahe das die alte Kapelle von 1769, an einer anderen Stelle stand.

 

 

Ende des 18. Jahrhunderts kamen, so wird erzählt, einige Franzosen nach Voissel. Im Dorf hielt sich ein Geistlicher auf der vor ihnen geflohen war. Das Läuten zum Gottesdienst besorgte die Frau, bei der er untergekommen war. Ohne Kenntnis davon, daß die Franzosen dort waren, läutete sie wieder einmal. Als darauf die Gläubigen ihre Häuser verließen, um der hl. Messe beizuwohnen, hätten die Fremden vermutet, man habe sich gegen sie verschworen. Da sie nur wenige waren, seien sie geflohen, hätten aber gedroht, bald wiederzukommen.

 

Die Kosten von 730 Reichsthaler setzen sich wie folgt zusammen:

                               Reichsth.            Silbergr.           Pfg.

Erdarbeiten                       7                     13              -

Maurerarbeiten               27                     16                 9

Steinhauerarbeiten      106                      16              10

Zimmerarbeiten                4                    15              -

Pliesterarbeit                123                    14                8

Schreinerarbeiten         190                    28                8

Schmiede- und

Schlosserarbeiten         118                    10                9

Anstreicherarbeiten        35                       3                2

Glaserarbeiten                39                    24              -

Insgemein                       76                       4                2

Summe                        730                    ---             ---

 

4.6.1862

Beschluß des Gemeinderates Bleibuir:

"Bezüglich des Kapellenbaues zu Voißel erklärte der Gemeinderath, daß die Aufbringung der ergangenen Kosten lediglich durch die Einwohner Voißels erfolgt sei, und diese sich privatim geeinigt haben. Die Grundgüter des Communalverbandes Voißel werden von den Einwohnern geschiffelt, alljährlich der Ertrag öffentlich verkauft und aus dem Erlös die Kosten des Kapellenbaues bestritten. Dieses Verfahren ist von dem Gemeinderathe stets gebilligt und anerkannt worden, wie dies auch sowohl Beschlüße aus der Zeit vor dem Jahre 1850 als spätere Verhandlungen nachweisen werden."

1850 ist wohl deshalb an der Stelle genannt, weil in diesem Jahr eine neue Gemeindeordnung in Kraft trat.

 

10.7.1862

Regierung Aachen an Landrat in Schleiden:

"....eröffnen wir Ihnen, daß zur endlichen Regulierung dieser Angelegenheit propractarite allerdings nichts übrig bleibt, als die noch offen stehenden Vorschüsse nach Ihrem Vorschlage und unter Zugrundelegung der von dem Gemeinderathe anerkannten Rechnungen nunmehr definitiv zur Verrechnung zu bringen. Wir veranlassen Sie daher, diese Rechnungen genau zu prüfen und die weitere geeignete Verfügung zu treffen.

Was die Behandlung des Kapellenbaues für die Zukunft betrifft, so wird, da die Kapelle nicht zu den gesetzlich anerkannten Kapellen gehört, die Gemeinde als solche dabei nicht mitzuwirken haben; auch können die Einwohner von Voißel nicht gezwungen werden, zu kontribuiren (gemeinschaftlich beizutragen).

Soll demnach der Bau fortgesetzt werden, so ist vor allem erforderlich, darüber in vorschriftsmäßiger Form zu beschließen, ob ein vollständig geordnetes Kapellensystem oder nur eine Annexkirche hergestellt werden soll, zu welchem Ende wir Sie auf das Dekret (Entscheidung,Verortnung) vom 30 September 1807 Art. 8 ff verweisen."

 

17.9. 1862

Bürgermeister Kremer an den Landrat in Schleiden;

".....aus denselben (Verhandlungen des Gemeinderates und Kirchenvorstandes) geneigtest ersehe, wie beide Corporationen sich dahin erklärt haben, eine Änderung in dem bisheran in dieser Angelegenheit beobachteten Verfahren nicht eintreten zu lassen, auch einen Antrag auf Annexion der Kapelle zur Kirche in Bleibuir nicht stellen zu können. Soll nun der Bau unter Leitung des bestehenden Bau-Comitees fortgeführt und die Bestreitung der ergehenden Kosten aus dem Erlös der Fruchtverkäufe aus den Voißeler Oedländereien erfolgen, so würde die Frage entstehen, in welcher Weise diese Zahlungen der Gemeindecaße restituirt (wiederhergestellt,Erstattet) werden, das seitens der Einwohner Voißels der Beweis des Eigenthumsrechtes an jenen Ländereien noch nicht erbracht worden und solch letzterer gemäß höherer Verfügung auch nur als Gemeinde-Eigentum betrachtet werden sollen."

Der Bürgermeister bittet um Instruktionen.

 

26.9.1862

Landrat in Schleiden an Bürgermeister Kremer:

"....eröffne ich Ihnen, daß, da der Gemeinderath von Bleibuir den Kapellenbau zu Voißel nicht als eine Gemeinde-Angelegenheit ansehen will, auch ein Bedürfnis nicht vorliegt, um einen Antrag zu stellen, daß die Kapelle zu den gesetzlich anerkannten erhoben werde, so muß es den Einwohnern von Voißel überlassen werden, sofern der Bau ferner fortgeführt werden soll, die Baukosten aus freiwilligen Beiträgen zu bestreiten.

Ohne höhere Genehmigung können aber keinesfalls die aus der Verpachtung der sogenannten Voißeler Consorten Gemeinde-Oedländereien eingehenden Gelder benutzt werden." Die Voißeler Einwohner praktizierten das bisherige Verfahren unbeirrt weiter, obwohl anscheinend die Bauarbeiten seit 1861 ruhten. (Consorten= Genosse,Teilnemer)

 

24.11.1862

Bürgermeister Kremer berichtet an Landrat:

".....Durch verehrliche Verfügung vom 26.9.1862, den Kapellenbau zu Voißel betreffend, ist bestimmt, daß die Erlöse aus der Verpachtung der Voißeler Consorten-Gemeinde-Ländereien nicht mehr ohne höhere Genehmigung zum Kapellenbau verwendet werden sollen. Hierauf weigern sich die Voißeler nun, die Parzellen wie bisher einzusäen, indem der Erlös dann in die Gemeinde-Casse fließe, und sie sich doch nur wegen des Kapellenbaues zu dieser Benutzungsweise der gedachten Güter verstanden hätten."

 

4.4.1863

Die Regierung antwortet dem Landrat auf den weitergegebenen Bericht des Bürgermeisters vom 24.11.1862 u.a.:

"....Auch wollen Sie die Frage noch näher in Erwägung ziehen, inwiefern eine Verwendung der Erträgnisse der qu(astionierten quasi= gleichsam, als ob) Ländereien für den Bau der Kapelle zu Voißel, wenngleich diese keinen gesetzlichen Charakter hat, etwa dennoch ferner zu gestatten und auf eine günstigere Auffassung der Eigenthums-Verhältnisse jener Ländereien seitens des Gemeinderathes g(e)g(ebenenfalls) von Einfluß sein möchte".

 

Die Regierung mußte erkennen, daß ihre Bemühungen, die Einwohner und den Gemeinderat mit den bisher angewendeten Mitteln dahin zubringen, ein "Gemeindeeigentum" an den Oedländereien anzuerkennen, keinen Erfolg haben würden. Deshalb erwog sie die Freigabe des bei der Gemeindekasse angesammelten Baufonds.

 

12.1.1864

Aus einem Bericht des Bürgermeisters an den Landrat:

".....Aus dem Ertrage dieser Güter durch Schiffeln und Einsäen durch die Bewohner Voißels hatte die Ortschaft sich einen Fonds von ca. 1300 (Reichsthaler) gesammelt, welcher zum Kapellenbau verwendet wurde". Nach den Verzeichnissen beliefen sich die Aufwendungen für die Kapelle bis zum Jahre 1860 auf ca. 1800 Reichsthaler.

 

22.7.1864

Aus einem Bericht des Bürgermeisters an den Landrat:

"....Der (Kapellen-) Bau wurde einseitig geleitet durch die Einwohner Schmitz, Metternich & Reinartz, so daß eine ordnungsmäßige Controlle nicht bestand.

Seit der Eigenthumsstreitigkeit sind nun die Kaufschillinge von den Fruchtverkäufen gemäß Verf(ügun)g Königl. Regierung nicht mehr zu Gunsten des Kapellenbaues verwendet worden, vielmehr bleiben solche bis zum Austrag dieser Eigentumsfrage bei der  (Gemeinde-) Kasse asservirt." (aufbewahrt)

 

28.5.1865

Auf eine Eingabe des Joseph Reinartz & Consorten von Voißel läßt die Regierung in Aachen (noch) folgenden Bescheid ergehen:

"Auf die Eingabe vom 13. März d. J. erwidern wir Ihnen, wie auch dem Königlichen Landraths-Amte zu Schleiden durch Verfügung vom 10. Juli 1862.....eröffnet worden ist, daß, da die Kapelle zu Voißel nicht zu den gesetzlich anerkannten gehört, weder die Gemeinde zu den Baukosten derselben verpflichtet, noch die Einwohnerschaft der Ortschaft selbst zu Entrichtung von desfallsigen Beiträgen gezwungen werden kann. Vor allem ist, wenn die Vollendung der Kapelle bewirkt werden soll, erforderlich, in vorschriftsmäßiger Form darüber zu beschließen, ob ein vollständiges Kapellensystem oder nur eine Annexkirche hergestellt werden soll, und müssen wir Ihnen überlassen, sich dieserhalb zunächst an den Bürgermeister zu wenden, wobei wir Sie darauf aufmerksam machen, daß der Gemeinderath von Bleibuir sich im Jahre 1862 wiederholt gegen die Errichtung eines selbständigen Kapellensystems sowohl wie die Herstellung einer Annexkirche ausgesprochen hat.

Was das zwischen der Ortschaft Voißel und der Gemeinde Bleibuir streitige Eigenthum von Oedländereien, resp. dessen Verwendung zu dem fraglichen Kapellenbau betrifft, so läßt sich hierüber weder nach dem Vorgesagtem noch auch vor einer endgültigen Entscheidung der Eigenthumsfrage selbst Verfügung treffen."

 

27.7.1865

Beschluß des Gemeinderates von Bleibuir:

".....daß die Oedländereien vorerst noch in der bisherigen Weise benutzt werden sollten, und zwar in der Art, daß die einzelnen Parcellen den einzelnen Einwohnern von Voißel zum Schiffeln überwiesen, die aufstehenden Früchte verkauft und aus dem Erlös die Kosten des Kapellenbaues bestritten werden.

In welcher Weise nach der Fertigstellung des Kapellenbaues diese Ländereien zu Gunsten der Gemeinde oder der Ortschaft Voißel benutzt werden sollen, darüber, erklärte der Gemeinderath, für jetzt einen Beschluß nicht fassen zu können, vielmehr einen solchen sich vorbehalten zu müssen."

Der Gemeinderat nahm den in der Verfügung vom 4.4.1863 ausgelegten Köder noch nicht an.

 

6.9.1865

Bürgermeister Kremer berichtet dem Landrat in Schleiden:

".....Nach....dem aufgestellten und von der Königl. Regierung genehmigten Plan und Kostenanschlag über die an der Kapelle noch auszuführenden Arbeiten erfordern solche einen Kostenaufwand von 730 Thalern. Der jährliche Erlös aus dem Verkaufe der von den Einwohnern geschiffelten Parzellen erzielten Früchte beläuft sich jedoch nur durchschnittlich auf ca.40 Thaler; es würden jene Kosten aber bei dem (vom Gemeinderat) vorgeschlagenen Modus erst in einem Zeitraum von 18 Jahren aufgebracht werden können."

 

21.8.1866

Beschluß des Gemeinderates der Gemeinde Bleibuir:

".....Nach näherer nochmaliger reiflicher Erwägung der obwaltenden Verhältnisse und besonders der von den einzelnen Einwohnern Voißels abgegebenen Erklärungen beschloß der Gemeinderath einstimmig, die Eintheilung des großen Terrains in einzelne Loose und demnächstige Überweisung an die Einwohner Voißels durch die Gemeinde-Vertretung, jedoch in größerer Ausdehnung wie bisheran, auch fernerhin beizubehalten.

Nachdem der Bürgermeister den Voißelern und dem Gemeinderat den tatsächlichen Inhalt der Verfügung vom 4.4.1863 inoffiziell bekanntgegeben hatte, faßten sie Vertrauen.

Der Gemeinderath war allgemein der Ansicht, daß diese Art der Benutzung der Oedländereien jedenfalls die einträglichste und einer Verpachtung auf längere Jahre, die zweifelsohne ein günstigeres Resultat nicht liefern würde, vorzuziehen sei.

Bei eintretender Erntezeit sollen die aufstehenden Früchte durch den Bürgermeister öffentlich verkauft und der Erlös hieraus für die Vollendung des Kapellenbaues in Voißel verwandt werden, nach diesem aber zur Gemeindekasse fließen.

Mit dieser unbestimmten Fassung hielten sie sich jedoch ein Schlupfloch offen.

Da die Einwohner Voißels sich bereit erklärt haben, die ihnen überwiesenen Parzellen unentgeltlich zu bebauen, der Boden aber jedenfalls einer Kräftigung durch Zusatz von Dünger (bedürfe), so wurde ferner beschlossen, den erforderlichen Kunstdünger aus dem von dem letzten Fruchtverkaufe noch vorhandenen Fonds zu beschaffen und den betreffenden Einwohnern Voißels zu überweisen."

Damit der Neubau nun endlich an ein Ende komme, wollten die Einwohner die Erträge steigern. Der gewünschte "Kunstdünger" wurde aus dem angesammelten Fonds beschafft.

 

11.9.1866

Regierung Aachen an den Landrat in Schleiden:

".....Unter den in dem Berichte (und) dessen Anlagen geschilderten Umständen erklären wir uns mit dem Beschlusse des Gemeinderathes von Bleibuir vom 21.8.1866 dahin einverstanden, daß der zu Ackerland sich eignende Theil der Gemeindeländereien von Voißel..... an die Einwohner von Voißel abgegeben, und von diesen, welche sich dazu bereit erklärt haben, mit auf Kosten der Gemeinde zu beschaffenden Kunstdünger bebaut werden und zu erzielende Frucht zu Gunsten der Gemeinde .......... öffentlich verkauft wird.

Gleichzeitig genehmigen wir, daß aus dem Erlöse dieser Verkäufe die Kosten für den Kapellenbau zu Voißel bestritten werden. Mit dieser Verfügung räumte die Regierung das letzte Hindernis aus dem Weg.

 

8.3. 1867

Niederschrift über eine Versammlung der Einwohner von Voißel unter dem Vorsitz von Gemeindevorsteher Vith (modifiziert gemildert, abgeändert) :

"Vor dem unterzeichneten Gemeindevorsteher versammelten sich die Einwohner von Voißel und erklärten damit einverstanden zu sein, daß in der Gemeinde Voißel jedes Haus ein Los Oedländereien erhält, um es auf drei Jahre zu beackern und den Aufwuchs zum Besten des Kapellenbaues verwenden zu lassen. Das erste Jahr wird das Los mit Korn besät, die übrigen Jahre mit Sommerfrüchten. Jeder Einwohner verpflichtet sich, sein Los gut zu beackern, zu besamen und acht Tage vor Michelstag zu bestellen. Die Saat stellt jeder Einwohner, Kunstdünger wird aus dem Gemeindefonds hergenommen und nach dem Verkauf wieder zurückerstattet.

Derjenige welcher sein Los nicht ackert und besät, wird angehalten, den Mittelwerth zu bezahlen, der beim Verkauf der Früchte erzielt wird.

                Vorgelesen und unterschrieben:

                        Der Gemeinde-Vorsteher 

 

Anton Huppertz                                              Johann Henk

Peter Liebertz                                                 Hubert Breuer

Peter Joseph Reinartz                                      Anton Metternich

Joseph Huppertz                                             Metternich

Jacobus Joseph Schumacher                           Peter Milz

Wwe. Johann Lambertz                                   Niklas Schmitz

Reinartz                                                          Johann Mauel

Sebastian Huten                                              Paul Joseph Greuel

N. Hoß                                                           Michael Huppertz

Heinrich Klaus                                     Johann Peter Schmitz

M. Mauel                                                        Hubert Klaus

Peter Joseph Metz                                          Hubert Reinartz

Math. Zuel                                                      Johann Peter Heistert

Anton Greßenich senior                                  

Laurenz Virnich

Wilhelm Klaus

 

Der Großteil der Mittel zum Kapellenbau, wurde durch daß Schiffeln der Voisseler Gemeindeheide beschafft. Das andere kam durch Kollekten in Voissel und auswärtige Geschenke zusammen: So schenkte Schmitz von Wallenthal, geb. zu Voissel, 300 Mark, ferner Lang von Wallenthal 240 Mark.

 

25.5.1868

Bürgermeister Baumann berichtet dem Landrat u. a. :

"......Sobald jedoch der Kapellenbau beendet sein wird, was jedenfalls vor Ablauf von 2 Jahren nicht der Fall sein kann, werde ich die Ländereien öffentlich verpachten und ich hoffe, dann annehmbare Gebote zu erreichen. .........."

 

18.6.1870

Bürgermeister Baumann berichtet auf eine Verfügung hin an den Landrat in Schleiden:

"......In letzter Zeit sind noch verschiedene Einwohner mit begründeten Eigenthumsansprüchen an einzelne Parzellen (der Oedländereien) hervorgetreten........

Einzelne culturfähige Parzellen werden jährlich für Rechnung der Gemeinde beackert und der Aufwuchs verkauft, wie ich dies in 1868 und 1869 mit zwölf Parzellen gethan habe und auch in diesem Jahr thun werde. Ein Einspruch ist dagegen nicht erhoben worden. Der Hauptzweck, das Terrain als Gemeindeeigenthum zu behandeln, (ist) also erfüllt".

 

Mit diesem Bericht enden die Vorgänge, die mit dem Kapellenbau in Beziehung stehen.

 

Die Vollendung der Kapelle, wie Bürgermeister Baumann dies 1868 annahm, war somit in der Mitte des Jahres 1870 noch nicht erreicht.

 

Pfarrer Compes hat in seiner Pfarr-Chronik festgehalten, das die Kapelle am Antonius-Tage des Jahres 1873, am 13. Juni, von ihm benediziert worden sei. (Wohl deshalb wurde der hl. Antonius von Padua zum Kapellenpatron anstelle der nun ins "zweite Glied" tretenden bisherigen Patrone Donatus und Maternus erwählt.)

 

Die Endgültige Fertigstellung der Kapelle zog sich also noch einige Zeit hin. Die Einwohner von Voißel schiffelten noch einige Jahre Oedländereien in der Heide oder zahlten aus freien Stücken den Mittelpreis des Verkaufserlöses der zwölf im Jahre 1869 noch geschiffelten Parzellen.

Seit dem ersten offiziellen Beschluß über den Kapellen-Neubau waren mehr als 27 Jahre ins Land gezogen!

 

Die Widerborstigkeit und die Starrköpfigkeit der Voißeler Einwohner, aber auch die der Mitglieder des Gemeinderates der "Spezial-Gemeinde", der bürgermeistereiangehörigen Gemeinde Bleibuir, schafften es, die Assessoren und Regierungsräte einer "Hohen Königlichen Regierung" in Aachen kirre zu machen.

In der Hoffnung, die Voißeler und die Gemeinderäte der Gemeinde Bleibuir würden, wenn die Kapelle fertiggestellt sei, anerkennen, die "Voißeler Gemeindeheide" sei deshalb Eigentum der "Spezial-Gemeinde Bleibuir", weil sie die Zuweisung der Schiffelparzellen und den öffentlichen Verkauf des darauf gezogenen Getreides durch den Bürgermeister zuließen, gaben sie klein bei.

Sie ließen es zu, so wie sich die Voißeler vereinbart hatten, die Kapelle zu bauen und fertigzustellen.

Dazu mag vor allem der Beschluß des Gemeinderates vom 21.8.1866 beigetragen haben, der besagte die Erlöse aus der Schiffellandbestellung nach Fertigstellung der Kapelle "zur Gemeindekasse fließen" zu lassen.

Bei aller sonst in der Sache aufgewendeten Pedanterie unterließen sie es allerdings, festhalten zu lassen, zu wessen Gunsten die Erträge in die Gemeindekasse fließen sollten.

Dies und noch andere Umstände müssen dazu beigetragen haben, daß das Eigentumsrecht an den Oedländereien noch lange ungeklärt und umstritten blieb.

Die Einwohner in Voißel aber hatten, wenn auch unter großen Mühen, unterdessen ihr Ziel erreicht.

 

Anhang

Nachtrag: "Spezialgemeinde" war die Bezeichnung derjenigen kommunalen Körperschaften, die das Recht beanspruchten und behaupteten, ihre Einnahmen und Ausgaben zu "etatisieren", also für die in ihrem Gebiet anfallenden Aufgaben eigene Haushaltspläne aufzustellen und in eigener Verantwortung ausführen zu können.

Herr Compes war Pfarrer in Bleibuir von 1867 - 1886. Die von ihm verfaßte Chronik  (die mit dem Jahre 1885 endete) blieb unveröffentlicht im Pfarrarchiv liegen, und wurde erst 1925 / 26 von Pfarrer Obbecke teilweise veröffentlicht.

 

Die Pfarrzugehörigkeit von Voissel:

In einer alten Urkunde von 1546 steht geschrieben daß, Voissel, Wielspütz, Wallenthal zum Pfarrbezirke Olef Gehörten. 1627 erhielt der Pastor von Bleibuir den förmlichen Auftrag, für die Einwohner von Voissel, Wielspütz und Wallenthal die volle Seelsorge zu übernehmen. 1791 wurden Voissel, Wielspütz, Bescheid und Wallenthal voll und ganz nach Bleibuir

 eingepfarrt.

 

Die wichtigsten Kalenderdaten, des Kapellenbaues zu Voissel, in Chronologischer-Reihenfolge:

                        1742 Stiftungsurkunde

                        1769 Errichtung der ersten Kapelle.

                        1803 Kapelle durch Napoleon bestätigt.

                        1826 Ab diesem Jahre Schiffelung der Gemeinde-Heide.

                                 Großbrand in Voissel?               

1845- 1870 Bildung einer Dorfgemeinschaft.

1845 Erstellung eines Bauplanes, durch Werkmeister Heiliger.

1846 5.1. Beschluß des Neubaues der Kapelle.

1846 - 1873 Bau der heutigen Kapelle.

1849 29. 5. Auflistung aller Haushaltsvorstände von Voissel.

1854 Grundsteinlegung.

1855 mit dem Bau der Kapelle begonnen.

1862 Kreisbaumeister Koschel erstellt Plan, und Kostenanschlag.

1873 Benediziert.

1879 Guß der Glocke.

1923 Kapelle gereinigt, und augefricht, (durch Michael Schmitz aus Wallenthal.)

1925 Die Kapelle erhält elektrisches Licht.

 

Die Glocke ist umschrieben: "D. Rodenmacher goß mich Anno 1879.

Mit freundlichem Klang zum Gebet und Lobgesang ruf ich euch Voihseler alle."